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Dienstag | 07.02.2012

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Fragen über Fragen
Die meisten Studienkollegs setzen Kenntnisse der Grundstufen 1 und 2 voraus. Im Hinblick auf den ständig steigenden Schwierigkeitsgrad der Prüfungen jedoch ist es sicher ratsam, sich auch mit den Inhalten der Grundstufe 3 zu beschäftigen (die Grundstufe 3 wird an vielen Sprachenschulen unter der Bezeichnung „Mittelstufe“ durchgeführt).

Neben sicheren Grammatikkenntnissen sollten auch die Grundregeln der Rechtschreibung und der Wortbildung beherrscht werden.
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WAS IST EIN STUDIENKOLLEG
Die Hochschulzugangsberechtigung ausländischer Studienbewerber/innen aus bestimmten Ländern Europas, Asiens, Afrikas und Amerikas sind mit dem deutschen Abitur nur bedingt vergleichbar. Deshalb müssen solche Bewerber/innen vor der Aufnahme ihres Fachstudiums zuerst die "Feststellungsprüfung" ablegen. Dies ist ein Kurzwort für die "Prüfung zur Feststellung der Eignung ausländischer Studienbewerber für die Aufnahme eines Studiums an Hochschulen in der Bundesrepublik Deutschland".
Die Studienkollegs bieten ausländischen Studierenden aus zahlreichen Ländern eine sprachliche und fachbezogene Studienpropädeutik und stellen damit eine Art Vorstudium dar. Dazu führen sie in Schwerpunktkursen einjährigen Vorbereitungsunterricht durch und nehmen die Feststellungsprüfung ab.
WAS SIND DIE AUFGABEN EINES STUDIENKOLLEGS?
Unter den Einrichtungen an der Hochschule, die sich mit dem Werdegang ausländischer Studierender befassen, nimmt das Studienkolleg eine herausragende Stellung ein. Das Studienkolleg bietet gleichermaßen "Aktivitäten im Bereich der studienbezogenen Unterstützung und Orientierungshilfe", "Maßnahmen zur sozialen Integration" wie auch Hilfen bei der "Bewältigung der praktischen Angelegenheiten des täglichen Lebens". Die Aktivitäten in all diesen Bereichen sind breit gefächert und äußerst vielschichtig. Von der Wirksamkeit des Konzepts und der Qualität der Leistung konnten sich Generationen von ausländischen Studienbewerber/innen überzeugen und ihren Nutzen daraus ziehen. Innovation ist Grundprinzip, denn das StK muss sich stets an die jeweiligen Erfordernisse vonseiten der Hochschule wie auch vonseiten der Klientel anpassen. Das Studienkolleg Aachen ist das älteste Kolleg in Deutschland. Es wurde am 6. November 1959 gegründet.

Der Hintergrund: In den fünfziger Jahren, als zunehmend ausländische Studierende an die deutschen Hochschulen kamen, stellte man fest, dass sie Schwierigkeiten nicht nur mit der deutschen Sprache hatten, sondern vielfach auch im fachlichen und methodischen Bereich. So bildete sich die Idee heraus, außer der Sprache auch Fachunterricht zu erteilen – natürlich auf Deutsch -, um den jungen Leuten den Einstieg ins Fachstudium zu erleichtern und damit die Studienzeit zu verkürzen. Was sich aus der Initiative einiger engagierter Lehrer ergab, entwickelte sich zu einer propädeutischen Bildungseinrichtung, die in Aachen seit nunmehr fast 40 Jahren Tausende von jungen Menschen aus aller Welt auf ihren Einstieg in das deutsche Hochschulstudium vorbereitet.

Die Leistung: Für einen sehr großen Teil der Studierenden aus allen Teilen der Welt, vor allem aus den sogenannten Entwicklungsländern, spielt das Studienkolleg – im Folgenden kurz StK - zu Beginn des Studienaufenthaltes in Deutschland die wichtigste Rolle. Es ist für sie die erste Anlaufstelle an der Hochschule. Im StK werden sie nicht nur organisatorisch, sondern auf allen Ebenen in die Hochschule "aufgenommen" – in der ganzen Bandbreite der Bedeutung dieses Wortes. Studienpropädeutik bedeutet in diesem Zusammenhang weit mehr als nur die Vermittlung von Sprache, Kenntnissen, methodischen Fertigkeiten. Förderung der Studierfähigkeit bedeutet auch die Begleitung der jungen Leute auf ihrem schwierigen Weg in die bundesdeutsche Alltagswirklichkeit. Für die meisten von ihnen ist das StK die erste Anlaufstelle in Deutschland. Hier wird der Kontakt zur Hochschule vermittelt, hier wird versucht die Weichen für den Erfolg im Fachstudium zu stellen, hier wird aber auch bei Schwierigkeiten geholfen, die nicht direkt mit dem Studium zusammenhängen, bis hin zur Beratung bei ganz persönlichen Problemen. Es gibt kaum eine Einrichtung an der Hochschule, die wie das StK den Erwartungen ausländischer Studentinnen und Studenten aus so unterschiedlichen Kulturkreisen ausgesetzt ist, die sich zudem noch in einer so sensiblen Lebensphase – Ablösung von Familie und gewohnten sozialen Bedingungen - befinden. Die Lehrenden sehen sich nicht nur als Wissensvermittler, sondern sind auch Ansprechpartner/innen in der Elterngeneration, die den jungen Leuten hier sonst nicht zur Verfügung steht. Dies erfordert ein hohes Maß an Bereitschaft, sich auf die unterschiedlichsten Fragestellungen einzulassen, die im Dialog zwischen den Kulturen auftauchen. Hinzu kommen die hohen Anforderungen an Toleranz und Bereitschaft zum Ausgleich aufgrund der Heterogenität der Gruppen – Studierende mit weit über 30 Nationalitäten lernen dort im täglichen Miteinander. Im StK arbeiten Lehrerinnen und Lehrer, deren Anliegen es ist, junge Menschen, die den Sprung in eine andere Kultur gewagt haben, die fern von Heimat und Eltern ein selbständiges Leben zu führen beginnen, in ihrer Entwicklung zu unterstützen.
WAS IST EINE AUFNAHMEPRÜFUNG (AP)
Vor der Aufnahme in das Studienkolleg wird getestet, ob Sie genug Deutsch können, um den Unterricht im Studienkolleg zu verstehen. Dieser Test ist die Aufnahmeprüfung.

Eine Aufnahmeprüfung besteht aus mehreren Teilen. Jeder Teil enthält einen anderen Typ von Aufgaben. Es gibt 5 verschiedene Aufgabentypen. Von denen werden meistens 3 zu einer Aufnahmeprüfung zusammengestellt.

Achtung: Informieren Sie sich auch bei dem Studienkolleg, zu dem Sie gehen möchten, über die Aufnahmeprüfung. Wenn Sie bei in einer AP ungefähr 60 % der Aufgaben richtig bearbeitet haben, dann haben Sie gute Chancen, die Aufnahmeprüfung zu bestehen.

1. Grammatik

Die meisten Studienkollegs setzen Kenntnisse der Grundstufen 1 und 2 voraus. Im Hinblick auf den ständig steigenden Schwierigkeitsgrad der Prüfungen jedoch ist es sicher ratsam, sich auch mit den Inhalten der Grundstufe 3 zu beschäftigen (die Grundstufe 3 wird an vielen Sprachenschulen unter der Bezeichnung „Mittelstufe“ durchgeführt). Neben sicheren Grammatikkenntnissen sollten auch die Grundregeln der Rechtschreibung und der Wortbildung beherrscht werden.
Zu der Grundstufengrammatik gehört:

a)
Die Konjugation der Verben, inklusive Passiv
b) Die Deklination von Artikelwörtern, Nomen und Adjektiven, auch im Zusammenhang mit Präpositionen, der Gebrauch der Präpositionen, z.B. beim Verb
c) Die häufigsten Formen des Satzes (Hauptsätze, Fragesätze, einige Nebensätze: Relativsätze, Konditionalsätze , Kausalsätze, Finalsätze)

2. C-Test
Der C-Test besteht aus 6 bis 8 kurzen Lückentexten. Von jedem zweiten Wort fehlt circa die Hälfte. Die Aufgabe ist, die fehlende zweite Hälfte der Wörter zu ergänzen.
Ein Tipp: Füllen Sie zuerst die Lücken aus, wo Sie die Lösung ohne lange Überlegung wissen. Die Benutzung von Wörterbüchern, ist in der realen Prüfungssituation untersagt.

3. Leseverstehen
In diesem Teil der Prüfung erhalten Sie einen Text, den Sie ohne Wörterbuch verstehen sollen. Der Text ist meistens 25 bis 30 Zeilen lang (= fast 1 Seite). Zu diesem Text bekommen Sie einige Fragen, die Sie schriftlich beantworten sollen. Manche Aufgaben müssen Sie in vollständigen Sätzen beantworten, andere in Form von Stichworten. In der Regel haben Sie bis zu 45 Minuten Zeit, um den Text zu lesen und die Aufgaben zu bearbeiten. Die Arbeitszeit hängt von der Länge des Textes ab.

4. Hörverstehen
Ihnen wird ein Text vorgelesen, in der Regel zweimal. Dazu sollen Sie Aufgaben zu dem Text bearbeiten. Sie dürfen beim Hören Notizen machen. Die Aufgaben sollen Sie in Form von Sätzen, in Form von Stichworten oder in Form von Auswahlantworten (ähnlich wie multiple choice) beantworten. Nach dem Hören des Textes haben Sie normalerweise zwischen 30 und 45 Minuten Zeit, die Aufgaben zu bearbeiten.

5. Schreiben
Beim Schreiben sollen Sie zu einem Thema einen Text von ungefähr 150 Wörtern (= ungefähr 1 Seite) schreiben. Dafür haben Sie normalerweise zwischen 30 und 45 Minuten Zeit. Man möchte von Ihnen wissen, wie gut Sie formulieren können. Was Sie über ein Thema wissen, ist dagegen nicht so wichtig. Die sprachliche Qualität entscheidet also bei der Bewertung Ihrer Arbeit. Das Thema ist nicht frei. Sie bekommen entweder einige Stichworte oder Abbildungen. Dazu sollen Sie einen Text schreiben. Es gibt verschiedene richtige und gute Möglichkeiten, einen Text zu schreiben. Sie brauchen keinen speziellen "Stil" zu benutzen. Beachten Sie aber, wie die Aufgabe formuliert ist, ob Sie z.B. einen Brief schreiben sollen.
WAS IST EINE FESTSTELLUNGSPRÜFUNG?
Wenn Ihr Schulabschlusszeugnis NICHT als gleichwertig mit dem deutschen Abitur anerkannt wird, müssen Sie vor Studienbeginn die Feststellungsprüfung ablegen.

Vorbereitung im Studienkolleg
Das Studienkolleg bereitet Sie in zwei Semestern auf die Feststellungsprüfung vor. Es gibt folgende fünf Kurstypen, die auf das Fachstudium vorbereiten:

T - Kurse für alle technischen und mathematisch- naturwissenschaftlichen Studienfächer
M - Kurse für Biologie, Medizin, Pharmazie und ähnliche Fächer
W - Kurse für alle wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Studienfächer sowie Rechtswissenschaften
G - Kurse für Germanistik, Geschichte, Philosophie und geisteswissenschaftliche Fächer
S - Kurse für alle sprach- und literaturwissenschaftlichen Studienfächer außer Germanistik

Unterrichtsfächer der einzelnen Kurse:

T - Kurse Deutsch, Mathematik, Physik, Chemie
M - Kurse Deutsch, Mathematik, Physik, Chemie, Biologie
W - Kurse Deutsch, Mathematik, Wirtschaftskunde, Geschichte, Politik, Englisch
G - Kurse Deutsche Sprache und Literatur, Geschichte, Sozialkunde
S - Kurse Deutsch, eine zweite Sprache, Geschichte, Sozialkunde

Bitte beachten Sie, dass die T-, M-, W- Kurse vom Niedersächsischen Studienkolleg in Hannover, aber der G- und S- Kurs vom Studienkolleg Halle (Sachsen- Anhalt) durchgeführt werden.

Feststellungsprüfung
Werden Sie in einen Vorbereitungskurs aufgenommen, besuchen Sie diesen zwei Semester lang. Bei sehr guten Leistungen kann die Vorbereitungszeit auf ein Semester verkürzt werden. Nach jedem Semester bekommen Sie ein Zeugnis, in dem Ihr Leistungsstand in den einzelnen Fächern aufgeführt wird. Jedes Semester kann einmal wiederholt werden. Am Ende findet die Feststellungsprüfung statt, die aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil besteht. Die Prüfung beinhaltet immer eine sog. Fachbindung, d.h. Sie können anschließend nur die Fächer studieren, die dem Kurstyp entsprechen.

Nach Bestehen der Feststellungsprüfung müssen Sie sich erneut (unter Berücksichtigung Ihrer Fachbindung) um einen Studienplatz bei einer Hochschule bewerben.

Zulassungsbeschränkte Studienfächer werden von den Universitäten in einem Auswahlverfahren vergeben. Entscheidend sind hierfür die Noten der Bildungsnachweise aus Ihrer Heimat und der Feststellungsprüfung.

Externe Feststellungsprüfung
Wenn Sie meinen, dass Ihr Kenntnisstand so gut ist, dass Sie auf den Besuch des Studienkollegs verzichten können, gibt es die Möglichkeit, die Feststellungsprüfung extern zu machen. Dort habe Sie die selben Prüfungsaufgaben wie Ihre Kommilitonen nach einjähriger Vorbereitung im Studienkolleg zu lösen.
Vor einer Überschätzung Ihrer Kenntnisse wird ausdrücklich gewarnt. Die Durchfallrate bei externen Prüfungen ist sehr hoch.

Feststellungsprüfungen von Studienkollegs der Fachhochschulen berechtigen nicht zum Studium an Universitäten. Feststellungsprüfungen von Studienkollegs der Universitäten berechtigen zum Studium (fachgebunden) an Universitäten und Fachhochschulen in allen Bundesländern.
© 2005 by Michael Goerner und Gerrit Hecht
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